Geräte und Technik

Staubklassen L, M und H nach der Normung für Entstauber

Hand an einem Drehschalter auf dem Bedienfeld eines Entstaubers
Hand an einem Drehschalter auf dem Bedienfeld eines Entstaubers

Staubklasse L, Staubklasse M und Staubklasse H sind die drei Stufen, in die DIN EN 60335-2-69 gewerbliche Entstauber einteilt. Die Klasse steht am Typenschild, sie gilt für das geprüfte Gerät als Ganzes und sie sagt zwei Dinge: wie viel Staub das Gerät im Prüflauf wieder abgibt und wie dicht das Gehäuse dabei bleibt. Welcher Stoff in welche Klasse fällt, richtet sich nicht nach der Menge, sondern nach der Gefährlichkeit des Staubs.

Wofür steht die Staubklasse an einem Entstauber?

Die Staubklasse nennt den maximalen Durchlassgrad des Geräts. Gemessen wird im Prüflauf, wie viel des aufgenommenen Prüfstaubs mit der Abluft wieder austritt, bezogen auf die eingebrachte Masse. Die Klasse bündelt also Abscheidung und Dichtheit in einem einzigen Kennwert.

Geprüft wird nach DIN EN 60335-2-69 das vollständige Gerät mit Filter, Kopf, Dichtungen und Behälterverschluss. Ein einzelner Filtereinsatz trägt deshalb keine Staubklasse, auch wenn seine Abscheidung hoch ist. Strömt Rohluft am Dichtrand vorbei oder sitzt der Behälter schief im Rahmen, hält das Gerät seine Klasse nicht, obwohl der Faltenfilter unbeschädigt ist.

Der Kennwert selbst ist in der Norm für jede Stufe festgelegt.

Wie ist der Durchlassgrad der Klassen L, M und H festgelegt?

Nach DIN EN 60335-2-69 darf ein Gerät der Staubklasse L höchstens ein Prozent des aufgenommenen Prüfstaubs wieder abgeben, ein Gerät der Staubklasse M höchstens 0,1 Prozent und ein Gerät der Staubklasse H höchstens 0,005 Prozent. Jede Stufe liegt damit um etwa eine Größenordnung unter der vorigen.

Geordnet nach Stufe ergibt sich folgendes Bild:

Klasse Durchlassgrad nach Norm Staubart Bauweise am Gerät
Staubklasse L höchstens 1 Prozent Stäube mit geringer Gefährdung Filtersack oder Faltenfilter, einfache Dichtung
Staubklasse M höchstens 0,1 Prozent gesundheitsgefährdende Stäube dichter Kopf, Volumenstromwarnung, staubarmes Leeren
Staubklasse H höchstens 0,005 Prozent krebserzeugende und faserige Stäube HEPA-Filter, Entsorgungsbeutel, Verschluss im Behälter

Die Abstände zwischen den Stufen liegen nicht in der Saugleistung. Ein Gerät der Staubklasse H zieht nicht stärker als eines der Klasse L, es lässt weniger durch und es gibt den erfassten Stoff beim Leeren nicht wieder frei. Unterdruck und Volumenstrom sind davon unabhängig und stehen getrennt in der Herstellerangabe.

Mit den Zahlen allein ist die Zuordnung noch nicht getroffen, denn entscheidend ist der anfallende Stoff.

Was fällt in Staubklasse L?

In Staubklasse L fallen Stäube, für die kein eigener Arbeitsplatzgrenzwert gilt oder deren Grenzwert vergleichsweise hoch liegt. Typisch sind Kalk, Gipskartonabrieb in kleiner Menge, Sand, Erde und grober Bauschutt ohne Quarzanteil im Feinstaubbereich.

Die Klasse ist die untere Stufe der Norm, nicht ein Gerät ohne Prüfung. Auch ein Sauger der Staubklasse L wird mit Prüfstaub gefahren und muss den Durchlassgrad einhalten. Für groben Trockenstaub und Späne in der Werkstatt reicht sie, weil die Partikel schwer sind und am Filter gut haften.

Sobald ein Stoff einen Arbeitsplatzgrenzwert trägt, greift die nächste Stufe.

Was fällt in Staubklasse M?

In Staubklasse M fallen gesundheitsgefährdende Stäube mit festgelegtem Arbeitsplatzgrenzwert. Dazu zählen Holzstaub, Gips, Zement, Füllstoffe, Silikate, Lackschleifstaub sowie Stäube von Kunststoffen und Metallen wie Kupfer, Mangan und Nickel.

Diese Klasse deckt den größten Teil der Arbeiten in Werkstatt und Produktion ab. Holzstaub ist dabei der Leitstoff: Weil er als krebsverdächtig eingestuft ist, verlangt er beim Absaugen Staubklasse M, und zwar an der Entstehungsstelle und nicht erst am Boden. Wie die Erfassung direkt am Werkzeug und an der Maschine aussieht, zeigt die Erfassung von Holzstaub an der Entstehungsstelle.

Geräte der Klasse M tragen eine Volumenstromwarnung. Die Warnung meldet, wenn die Strömungsgeschwindigkeit im Saugschlauch unter den Normwert fällt, also wenn Faltenfilter, Schlauch oder Düse zusetzen. Der Behälter wird staubarm geleert, in der Regel über einen Filtersack, der vor dem Herausnehmen verschlossen wird.

Oberhalb der Grenzwertstäube beginnt der Bereich, in dem der Staub selbst krebserzeugend wirkt.

Was fällt in Staubklasse H?

In Staubklasse H fallen krebserzeugende, faserige und biologisch wirksame Stäube. Genannt werden Asbest, künstliche Mineralfasern, Blei, Cadmium, Nickelverbindungen, Teer, Schimmelsporen, Bakterien und Keime sowie Stäube aus der Sanierung belasteter Bauteile.

Die Geräte dieser Klasse arbeiten mit einem HEPA-Filter als letzter Stufe und mit einem geschlossenen Entsorgungsweg. Das Filtergut wird in einem Beutel aufgenommen, der im Behälter verschlossen wird, bevor der Kopf abgenommen wird. Bei Asbest gelten darüber die Regeln der Gefahrstoffverordnung und der zugehörigen technischen Regeln, die den Gerätetyp, die Prüfung und die Entsorgung zusätzlich festlegen.

Ein Gerät der Staubklasse H erfasst auch alle Stoffe der unteren Klassen. Umgekehrt gilt das nicht, und eine nachträgliche Umrüstung durch einen stärkeren Filtereinsatz ergibt keine höhere Klasse, weil die Prüfung das Gesamtgerät betrifft. Wie Dichtheit, Filterstufe und Behälterverschluss am Gerät zusammenspielen, beschreibt die Beschreibung des Industriesaugers und seiner Kennwerte.

Die Klasse eines vorhandenen Geräts lässt sich ohne Unterlagen ablesen.

Woran lässt sich die Staubklasse am Gerät erkennen?

Die Staubklasse steht als Buchstabe auf dem Typenschild, meist neben der Normbezeichnung DIN EN 60335-2-69 und zusammen mit Spannung, Leistung und Baujahr. Viele Hersteller setzen den Buchstaben zusätzlich als farbiges Schild an den Behälter oder an den Gerätekopf.

Verlässlich ist das Typenschild, nicht die Farbe. Die farbliche Kennzeichnung ist eine Konvention der Hersteller und nicht Teil der Norm, deshalb kann sie zwischen Baureihen abweichen. Fehlt das Schild, hilft nur die Betriebsanleitung oder die Typbezeichnung, in der der Buchstabe meist als Zusatz geführt wird.

Am Filtereinsatz selbst steht keine Staubklasse. Dort finden sich die Filterklasse des Mediums und die Ersatzteilnummer, beides sagt für sich noch nichts über die Einstufung des Geräts. Ersatzfilter müssen deshalb dem Typ entsprechen, der in der Unterlage für dieses Gerät freigegeben ist.

Auch am Ende seiner Standzeit bleibt das Filtermaterial dem Stoff zugeordnet, den es aufgenommen hat.

Wie wird das Filtermaterial nach dem Wechsel entsorgt?

Das Filtermaterial wird nach dem Stoff entsorgt, den es aufgenommen hat, nicht nach dem Material des Filters. Ein Faltenfilter aus einem Gerät der Staubklasse H gilt als belasteter Abfall und geht den Weg, den die Gefahrstoffverordnung für diesen Stoff vorschreibt.

Bei Staubklasse L und M reicht in der Regel die Entsorgung über den Betriebsabfall, soweit der erfasste Stoff nichts anderes verlangt. Der ausgebaute Filter wird dabei sofort in einen Beutel gegeben und verschlossen, weil der anhaftende Staubkuchen beim Transport abplatzt. Bei Staubklasse H wird der Filter im Gerät in den Entsorgungsbeutel eingeschlagen und erst danach herausgenommen.

Gips, Zement und Metallstäube bleiben trocken und lassen sich so geschlossen abführen. Feuchtes Filtergut verklumpt, haftet am Medium und beginnt bei organischen Stoffen zu gären, deshalb gehört ein feucht gelaufener Filter zügig aus dem Gerät.

Wann lohnt sich eine Prüfung der Staubklasse im laufenden Betrieb?

Eine Prüfung lohnt sich, wenn sich der abgesaugte Stoff ändert, wenn das Gerät an eine neue Maschine kommt oder wenn am Arbeitsplatz Staub sichtbar wird, obwohl die Absaugung läuft. Für Entstauber der Klassen M und H ist die wiederkehrende Prüfung nach DIN EN 60335-2-69 und nach Herstellerangabe ohnehin vorgesehen, üblich ist ein Jahresabstand.

Geprüft wird dabei nicht nur die Abscheidung, sondern die Dichtheit der Kette: Zustand des Faltenfilters, Sitz der Dichtungen am Kopf, Verschluss des Behälters, Unversehrtheit des Saugschlauchs und die Funktion der Volumenstromwarnung. Eine aufgerissene Falte oder eine harte, verformte Dichtung senkt die Klasse im Betrieb, ohne dass das Typenschild sich ändert.

Der zweite Anlass ist ein Wechsel der Aufgabe. Wird ein Gerät der Staubklasse M für eine Sanierung mit Mineralfasern eingesetzt, hilft keine Prüfung weiter, weil die Einstufung der Stoffe eine höhere Klasse verlangt. Dann entscheidet der Stoff über das Gerät, nicht die vorhandene Ausstattung.