Geräte und Technik

Industriestaubsauger: Kennwerte, Bauarten, Grenzen

Industriestaubsauger auf Rollen neben einer Werkbank, Saugschlauch über dem Griff
Industriestaubsauger auf Rollen neben einer Werkbank, Saugschlauch über dem Griff

Ein Industriestaubsauger ist ein Entstauber für den gewerblichen Dauerbetrieb. Seine Kennwerte stehen am Typenschild und in der Herstellerunterlage: Unterdruck, Volumenstrom, Behältervolumen und Staubklasse. Was davon im Einsatz zählt, hängt am anfallenden Stoff und an der Länge der Leitung, nicht an der Wattzahl auf dem Gehäuse. Wer diese Kennwerte lesen kann, erkennt vor dem ersten Einschalten, welche Aufgabe ein Gerät löst und wo seine Grenze liegt.

Was unterscheidet einen Industriestaubsauger vom Haushaltsgerät?

Der Unterschied liegt in der Bauweise, nicht allein in der Saugkraft. Ein Industriesauger arbeitet mit Saugturbinen, die für den Dauerbetrieb ausgelegt sind, trägt einen Behälter aus Stahlblech oder schlagfestem Kunststoff und einen Filter mit geprüftem Durchlassgrad. Ein Haushaltsgerät erfüllt keine dieser Bedingungen.

Haushaltssauger kühlen den Motor mit der Saugluft. Fällt Feinstaub an, setzt sich das Gebläse zu und die Wicklung läuft heiß. Industriegeräte führen die Kühlluft getrennt an der Turbine vorbei. Deshalb halten sie nach Herstellerangabe eine Einschaltdauer von acht Stunden am Tag aus, teils mehr.

Hinzu kommt der Behälter. Werkstattgeräte liegen beim Behältervolumen meist bei rund 35 Litern, je nach Baureihe plus minus 10. Größere Volumen verlängern die Zeit zwischen zwei Entleerungen, machen das Gerät aber schwer und an engen Stellen unbrauchbar.

Robuste Bauteile allein sagen noch nichts über die Leistung an einer langen Leitung. Dafür zählen zwei Messwerte.

Wie hängen Unterdruck und Volumenstrom am Sauger zusammen?

Der Unterdruck entscheidet darüber, ob das Gerät am Ende einer langen Leitung noch zieht. Der Volumenstrom entscheidet darüber, wie schnell es eine Fläche frei bekommt. Beide Werte stehen in der Herstellerangabe, und beide lassen sich nicht gleichzeitig maximieren.

Typische Werkstattgeräte erreichen rund 250 Millibar Unterdruck, je nach Baureihe plus minus 20. Der Volumenstrom fällt ab, sobald Schlauch, Filter und Düse Widerstand aufbauen. Herstellerangaben nennen deshalb oft zwei Werte: einen am Gebläse und einen am Schlauchende. Nur der zweite beschreibt die Arbeitssituation in der Werkstatt.

Feinstaub verlangt Unterdruck, weil er in Ritzen und Textilien sitzt. Späne und Granulat verlangen Volumenstrom, weil sie als Masse durch den Querschnitt müssen. Wer beides absaugt, landet bei einem Gerät mit mittlerem Arbeitspunkt und nimmt an beiden Enden Abstriche hin.

Wie hoch dieser Arbeitspunkt ausfällt, hängt an der Bauart des Geräts.

Woran lässt sich die Bauart eines Industriesaugers erkennen?

Die Bauart zeigt sich am Behälter und am Antrieb. Trockensauger führen den Staub in einen Filtersack oder direkt auf einen Faltenfilter. Nass-Trocken-Sauger tragen einen abgedichteten Behälter mit Füllstandselektroden und Ablauf. Sicherheitssauger ergänzen ein dichtes Gehäuse und eine geprüfte Filterstufe.

Geordnet nach Aufgabe ergeben sich vier Bauarten, die in Werkstatt und Produktion vorkommen:

Bauart Aufgabe Merkmal am Gerät
Trockensauger Späne und Trockenstaub in der Werkstatt Filtersack oder Faltenfilter, kein Ablauf
Nass-Trocken-Sauger Flüssigkeiten, Schlamm, Kühlemulsion Füllstandselektroden, Ablaufhahn, Edelstahlbehälter
Sicherheitssauger gesundheitsgefährdender Staub Staubklasse am Typenschild, geprüfte Filterstufe, oft HEPA-Filter
Entstauber mit Verdichterantrieb Dauerabsaugung an Maschinen und Leitungen Seitenkanalverdichter statt Saugturbine, Festanschluss

Der Seitenkanalverdichter trennt die Werkstattgeräte von der Anlagentechnik. Er liefert über Stunden einen gleichbleibenden Volumenstrom, braucht aber einen festen Standort, Drehstrom und eine Schalldämmung. Oberhalb von acht Stunden Dauerbetrieb am Tag endet der Bereich der tragbaren Geräte.

Jede dieser Bauarten gibt es in mehreren Staubklassen, und erst die Klasse sagt etwas über den erfassbaren Stoff.

Wofür steht die Staubklasse am Typenschild?

Die Staubklasse nennt den maximalen Durchlassgrad des Geräts und damit den Staub, den es erfassen darf. Nach DIN EN 60335-2-69 gilt für Staubklasse L ein Durchlassgrad von höchstens einem Prozent, für Staubklasse M von 0,1 Prozent und für Staubklasse H von 0,005 Prozent.

Geprüft wird das Gerät als Ganzes, nicht der Filtereinsatz allein. Ein Faltenfilter mit guter Abscheidung nützt nichts, wenn Rohluft am Dichtrand des Kopfes vorbeiströmt oder der Behälterverschluss undicht sitzt. Der Unterschied zwischen den Klassen liegt weniger in der Saugleistung als in der Dichtheit des Gehäuses und in der Art, wie der Behälter geleert wird. Wie die Normung die drei Klassen gegeneinander abgrenzt und welcher Stoff in welche Klasse fällt, zeigt die Einordnung der Durchlassgrade nach Norm.

Die Klasse beschreibt die Abscheidung. Wie lange sie im Betrieb erhalten bleibt, entscheidet das Filtermedium.

Wie arbeitet der Faltenfilter im Behälter?

Der Faltenfilter vergrößert die Filterfläche auf kleinem Raum. Das Medium liegt in engen Falten um einen Stützkorb, dadurch passen mehrere Quadratmeter Fläche in ein Gehäuse von Eimergröße. Je größer die Fläche, desto geringer die Anströmgeschwindigkeit und desto langsamer steigt der Differenzdruck.

Am Filter setzt sich während der Arbeit ein Staubkuchen ab. Er verbessert zunächst die Abscheidung und verschlechtert dann den Volumenstrom. Geräte mit automatischer Abreinigung lösen diesen Kuchen in festen Abständen und werfen ihn in den Behälter zurück, ohne dass die Arbeit unterbrochen wird. Wie sich der Kuchen vom Medium löst und woran sich das Ende der Standzeit zeigt, beschreibt der Beitrag zur Reinigung des Filtermediums im laufenden Betrieb.

Zwischen Filter und Arbeitsstelle liegt das Bauteil, das am meisten Leistung kostet.

Warum entscheidet der Saugschlauch über die Leistung am Werkzeug?

Der Saugschlauch ist der größte Einzelwiderstand in der Kette. Jeder Meter Länge und jede Querschnittsverengung kostet Unterdruck, jede enge Kurve erzeugt Verwirbelung. Ein Gerät mit hohem Arbeitspunkt am Gebläse kann an einem zu dünnen Schlauch schwächer arbeiten als ein kleineres Gerät mit passendem Querschnitt.

Der Durchmesser richtet sich nach dem Stoff. Feinstaub aus dem Elektrowerkzeug kommt mit schlanken Schläuchen zurecht, Späne und Granulat brauchen Querschnitt, weil sie sonst am Übergang zum Stutzen liegen bleiben. Bei wechselnden Einsatzorten zählt auch das Gewicht, denn der Schlauch wird den ganzen Tag nachgezogen.

Trockene Feinstäube laden den Schlauch elektrostatisch auf. Antistatik löst das über eine leitfähige Einlage, die am Stutzen und über das Gerät zur Erdung durchverbunden ist. Ohne diese Verbindung bleibt die Einlage wirkungslos.

Die Erdung ist bereits Teil der Sicherheitstechnik, und die reicht am Gerät weiter.

Was gehört zur Sicherheit an einem Entstauber?

Zur Sicherheit gehören die Dichtheit des Gehäuses, eine Überwachung des Luftstroms und ein staubfreier Weg für das Filtergut. Die Anforderungen an gewerbliche Entstauber regelt DIN EN 60335-2-69, den Umgang mit dem erfassten Stoff die Gefahrstoffverordnung.

Geräte der Staubklasse M und H tragen eine Volumenstromwarnung. Die Warnung meldet akustisch oder optisch, wenn die Strömungsgeschwindigkeit im Schlauch unter den Normwert fällt, also wenn Filter oder Leitung zusetzen. Ohne diese Meldung bleibt ein nachlassender Volumenstrom unbemerkt, bis der Staub am Arbeitsplatz sichtbar wird.

Beim Leeren entscheidet die Bauart. Geräte der Staubklasse H arbeiten mit einem Entsorgungsbeutel, der im Behälter verschlossen wird, damit das Filtergut nicht noch einmal in die Luft gelangt. Ein offener Behälter macht die geprüfte Abscheidung in wenigen Sekunden zunichte.

Nicht jeder Betrieb braucht diese Stufe, und nicht jeder Einsatz rechtfertigt ein Gerät für den Dauerbetrieb.

Wann lohnt sich ein Industriestaubsauger für den Dauerbetrieb?

Ein Gerät für den Dauerbetrieb lohnt sich, sobald die Absaugung Teil des Arbeitsablaufs ist und nicht erst am Ende der Schicht beginnt. Maßgeblich sind die tägliche Laufzeit, der anfallende Stoff und die Frage, ob am Entstehungsort abgesaugt wird oder hinterher.

Fällt Staub an wenigen Stunden in der Woche an, reicht ein tragbares Gerät mit passender Staubklasse und einem Faltenfilter, der sich im Behälter abreinigen lässt. Läuft die Absaugung an einer Maschine mit, verschiebt sich die Rechnung: dann zählen gleichbleibender Volumenstrom, Standzeit des Mediums und ein fester Anschluss, und der Antrieb über einen Seitenkanalverdichter wird zur sinnvollen Bauart.

Der Stoff setzt die untere Grenze. Holz-, Gips- und Metallstaub verlangen Staubklasse M, krebserzeugende und faserige Stoffe Staubklasse H. Wer hier nach Laufzeit statt nach Stoff auswählt, bekommt ein Gerät, das im Dauerbetrieb hält, am Arbeitsplatz aber zu viel durchlässt.